Festvortrag von Prof. Milla Drucken E-Mail

altAm 17. Feb. 2011 hielt Prof. Bernd Milla, der Geschäftsführer der Kunststiftung Baden Württemberg, im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung einem Vortrag unter dem Titel:

Die Aufgabe und Bedeutung von Kunstvereinen im 21. Jahrhundert.

Artikel aus dem Hohenloher Tagblatt v. 19. Feb. 2011 von Ralf Snurawa

Ein Ort der Begegnung und Vermittlung

20 Jahre gibt es nun die Kunstfreunde Crailsheim. Bernd Milla, neuer Geschäftsführer der Kunststiftung Baden-Württemberg und Festredner im Rathaussaal, bescheinigte ihnen beim Festakt zum Jubiläum, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

Selbst die Stuttgarter Zeitung habe registriert, dass „hinter der Hecke" kulturell etwas los sei, stellte Oberbürgermeister Rudolf Michl zur Begrüßung fest. Jedenfalls war Bernd Millas erster Auftritt als Kunststiftungsgeschäftsführer außerhalb Stuttgarts registriert worden. Bevor er aber über Kunstvereine im 21. Jahrhundert reden konnte, gab der erste Vorsitzende der Kunstfreunde, Manfred Koch, noch einen kurzen Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre.

Er verwies dabei auf die Gründungsmitglieder und die ersten beiden Vorsitzenden, Roland May und Gernot Mitsch, und darauf, dass Rainer Herold und Hans-Jochen Gimpel aus dem damaligen Beirat heute noch dabei seien. Viele der Gründungsmitglieder waren auch zum Festakt erschienen. Koch verwies auch auf die Leiterinnen des Stadtmuseums, Susanna Sackstetter und Friederike Lindner, als Impulsgeberinnen.

In 20 Jahren waren über 60 Ausstellungen, Kunstfahrten oder Atelierbesuche zustande gekommen. Manfred Koch verwies auf Ausstellungen mit Alfred Hrdlicka, Armin Göhringer, Klaus Prior oder Raymond Waydelich, dessen gezeigte Bilder Reinhold Würth nach dem Besuch der Ausstellung komplett aufkaufte. Auch andere große Namen waren vertreten, etwa die von Théodore und Tomi Ungerer, oder Richard Deacon. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens war ein interessanter Kunstdialog zwischen acht Künstlern entstanden, darunter Ben Willikens, Paul Swiridoff, Niko Grindler und Adidal Abou-Chamat.

Das Musikerduo Uli Gonser und Stefan Labude hatte das Vergehen der Zeit und der Geschehnisse im Tick-Tack-Lied passend vorweggenommen. Bernd Milla gab in seinem Vortrag zunächst einen historischen Abriss über die Entstehung und Entwicklung der Kunstvereine. Dass 1822 in Hamburg der erste gegründet worden war und zur Entstehung der dortigen Kunsthalle geführt hatte.

Dass die Entwicklung von der Stände- zur Klassengesellschaft und die Zunahme der Bedeutung des Bürgertums wichtige Voraussetzungen für das Entstehen von Kunstvereinen waren. Und dass die Kunstvereine selbst schließlich die Kunst beeinflussten: bürgerliche Formen des Kleinformats beispielsweise.

Wichtig erschien Milla auch der politische Aspekt: sei es als Mittel der Durchbrechung adeliger Kulturpolitik, sei es in den 1950er Jahren mit expliziten Ausstellungen von in der NS-Zeit als „entartet" bezeichneter Kunst und der Förderung zeitgenössischer Kunst in den Kunstvereinen. Nach der Aufforderung zu kritischer Auseinandersetzung mit der Kunst in den 1970er Jahren durch jüngere Kunstvereinsmitglieder konnten sich die Kunstvereine der Tendenz zur voranschreitenden Ökonomisierung im Jahrzehnt darauf nicht entziehen. Sie begannen mehr und mehr im Wettbewerb mit Kunsthallen und Museen zu geraten. Die öffentliche Hand begann die Rentabilität zu hinterfragen. Man wandte sich von der institutionellen Förderung ab und der Projektförderung zu.

Dennoch gelte, so Milla, bis heute: Je riskanter und experimenteller die gezeigten künstlerischen Positionen seien, desto mehr Renommee bringe es dem Kunstvereinen. Heute müsse eine solche Institution den medialen wie auch den öffentlichen Raum zusätzlich zum gewohnten Ausstellungsraum nutzen. Dann bleibe der Kunstverein ein Ort der Begegnung und Vermittlung, gerade auch für jüngere Künstler.

Ralf Snurawa

 
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